Presse 2010

Badis­che Zeitung 19.07.2010

Lob fürs Dorf par excellence

Regierung­spräsi­dent Julian Würten­berg­er sprach in Bernau über Energiepoli­tik und Land­wirtschaft.

BERNAU. Regierung­spräsi­dent Julian Würten­berg­er und der CDU-Land­tagsab­ge­ord­nete Klaus Schüle besucht­en am Fre­itag den Bernauer Gold­bach­hof und sprachen über land­wirtschafts- und energiepoli­tis­che The­men. Dabei ging es beson­ders um das Heizen mit Holz und die Ver­gabe von Zuschüssen.

Klaus Schüle informierte über agrar­poli­tis­che För­der­maß­nah­men auf Lan­des- und europäis­ch­er Ebene. Nach wie vor müssten ihm zufolge benachteiligte Gebi­ete eine Son­der­förderung erhal­ten und Land­wirte für die Offen­hal­tung beson­ders entschädigt wer­den. Eben­so wichtig sei für ihn die Schaf­fung ein­er wirtschaftlichen Basis auch für kleinere Betriebe, um durch den Verkauf eigen­er Pro­duk­te den Leben­sun­ter­halt bestre­it­en zu kön­nen.

Auf Nach­frage vertei­digte Schüle die ver­schiede­nen Förder­pro­jek­te, die wie beispiel­sweise der Natur­park, ein Wer­be­träger für heimis­che Pro­duk­te sei. Aus den Rei­hen der Teil­nehmer wurde angeregt, die Betrof­fe­nen in die Entwick­lung von Förder­pro­gram­men einzubeziehen und dafür zu sor­gen, dass die Auszahlung von Geldern aus Stuttgart, Berlin oder Brüs­sel rasch­er von­stat­ten geht.

Als Dreieck sieht Regierung­spräsi­dent Würten­berg­er Land­wirtschaft, Land­schaft und Frem­den­verkehr, die voneinan­der abhängig seien. Naturschutz und Natur­erhal­tung spiel­ten eine große Rolle in Bernau, einem Dorf “par excel­lence”. Sich­er sei, dass Land­wirte, die Steil­hänge bewirtschaften, nicht mit Kol­le­gen in Nieder­sachen oder Old­en­burg konkur­ri­eren kön­nen. Deshalb seien Aus­gle­ichzu­la­gen notwendig. Eben­so wichtig sei die regionale Ver­mark­tung.

Holz soll noch stärk­er als Energieliefer­ant genutzt wer­den

Würten­berg­er beze­ich­nete sich als Ver­fechter regen­er­a­tiv­er Energien. Im Schwarzwald würde nur ein Bruchteil des Poten­zials für Energieholz genutzt. Nach dem Mot­to “Holz liegt vor der Hütte” könne noch mehr des fos­silen Brennstoffs für Energie in Nah­wärmev­er­net­zun­gen oder auch für eine Ver­stro­mung genutzt wer­den. Regen­er­a­tive Energie in Gemein­den – dieses The­ma wolle Würten­berg­er im kom­menden Jahr auf jede Tage­sor­d­nung set­zen.

Emil Mut­ter­er, Pio­nier für Energieholz in Bernau und Umge­bung, stellte die Nah­wärmenet­ze in der Region vor und erläuterte den Ablauf der Holz­ernte vom Hack­en im Wald über die Lagerung bis hin zum Trans­port durch die Land­wirte.

Klaus Schüle und Julian Würten­berg­er besucht­en Markus Kaisers Hof in Bernau.
Dort disku­tierten sie unter anderem mit Emil Mut­ter­er und Rolf Schmidt (von links). Foto: Ulrike Spiegel­hal­ter

Badis­che Zeitung 4.03.2010

Aufmunternde Worte für die Waldbesitzer

Der BLHV disku­tiert mit Ref­er­enten die Chance, dass sich Land­wirte mit der Liefer­ung von Hackschnitzeln für das Bade­paradies ein weit­eres Stand­bein schaf­fen.

HOCHSCHWARZWALD. Die Ver­sorgung des Bade­paradieses in Titisee mit Hackschnitzeln kön­nte eine Chance für die Wald­bauern im Hochschwarzwald bieten, erkan­nte auch die Kreisver­samm­lung des Badis­chen Land­wirtschaftlichen Hauptver­bands (BLHV) im “Neustädter Hof”. Die Bedeu­tung der Energie aus der Region und die Absicht zur Teil­habe an der Wertschöp­fung unter­strich die Anwe­sen­heit zahlre­ich­er Bürg­er­meis­ter, Poli­tik­er und Forstleute.
Vier Ref­er­enten beleuchteten das The­ma. Thomas Binkert, Geschäfts­führer der gle­ich­nami­gen Fir­ma mit Sitz in Alb­bruck und ein­er Nieder­las­sung in Neustadt, gab einen Ein­blick in die Wärmev­er­sorgung des Bade­paradieses. Sein Unternehmen ist Grün­dungsmit­glied und Gesellschafter der Süd­wärme, die den Auf­trag für die Heizzen­trale des Bades bekom­men hat. Langfristige Liefer­verträge mit ein­er Laufzeit von 22 Jahren, Ver­lässlichkeit oder Lager­vol­u­men von ein­er Woche seien neben dem Preis wichtige Kri­te­rien bei der Hackschnitzel­liefer­ung. Die Abrech­nung sei im Hin­blick auf die Qual­ität, die in Eigen­ver­ant­wor­tung des Liefer­an­ten liege, nach dem Wärmemen­gen­zäh­ler sin­nvoll. Der Bedarf für das Bad liege bei jährlich 8000 Schüt­traum­me­ter (Srm). Sollte der Endaus­bau mit Testo gelin­gen, bei 10 000 Srm. Für die Logis­tik habe man sich noch nicht auf eine Infra­struk­tur fest­gelegt. Er emp­fiehlt den Land­wirten Teil­liefer­un­gen mit dem Ziel zu wach­sen.

“90 Prozent des Erlös­es bleiben in der Region.”

Emil Mut­ter­er, Geschäfts­führer der Bernauer Energieholz GbR, berichtete über seine 16-jährige Erfahrung bei der Beliefer­ung von Holzheizw­erken. Die aus fünf Land- und Forstwirten beste­hende Energieholz ver­sorge zwölf Anla­gen mit Leis­tun­gen zwis­chen 500 Kilo­watt und 2,5 Megawatt (zusam­men 8,5 Megawatt). Jährlich wür­den 25 000 bis 28 000 Kubik­me­ter Hackschnitzel geliefert, darunter bis zu 60 Prozent Nadel­bau­man­teil. Das erset­zt zwei Mil­lio­nen Liter Heizöl. “90 Prozent des Erlös­es bleiben in der Region”, unter­strich er die Wertschöp­fung. Manche Liefer­an­ten lassen ihr Holz durch den Maschi­nen­ring hack­en und übernehmen den Trans­port, die Lagerung und Beliefer­ung selb­st. “Es ist eine irrige Annahme, dass die Ver­sorgung ohne Zwis­chen­lager funk­tion­iert”, unter­strich er.

Anfangs habe die Energieholz viel Lehrgeld zahlen müssen, da man ja auf keine Erfahrungswerte zurück­greifen kon­nte. Heute wer­den zwei Drit­tel der Menge in vier Hallen mit ein­er Kapaz­ität von bis zu 12 000 Kubik­me­tern zwis­chen­ge­lagert, man sei für alle Wit­terun­gen und Heizungsan­la­gen gewapp­net. 35 Prozent des Holzes stamme aus öffentlichem und 20 Prozent aus pri­vatem Wald, zehn Prozent sei Säge­holz, mit steigen­der Ten­denz. 35 Prozent stamme aus der Land­schaft­spflege, aus der Land­schaft­sof­fen­hal­tung eben­so wie aus Parkan­la­gen und Frei­hieben von Straßen­böschun­gen.

“Lassen Sie sich die Gele­gen­heit nicht ent­ge­hen.”

“Das Poten­tial wäre da, würde jedoch eher genutzt, wenn es sich ren­tiert”, kom­men­tierte Niko­laus König, der die anschließende Diskus­sion mod­erierte. Lang­holz würde auch aus einem Radius von 30 Kilo­me­tern ange­fahren und an Ort und Stelle gehackt, gab Mut­ter­er an. Eine Ver­such­srei­he hin­sichtlich der kos­ten­deck­enden Gewin­nung von Energieholz im Schwarzwald sei im Gange. “Wald­hackschnitzel aus Gipfel­holz eignet sich ganz gut”, unter­strich der pen­sion­ierte Forst­beamte im Hin­blick auf die nicht allzuho­hen Ansprüche an das Energieholz. Doch auch hier gelte das Prinzip der Trock­nung durch Zwis­chen­lagerung. Als “edel­ste Art” der Abrech­nung für bei­de Seit­en beze­ich­nete auch er das mate­ri­al­ab­hängige Sys­tem des Wärmemessers. Er rät, so wenig Hand anzule­gen wie möglich. Dies sollte sich nur auf die Tren­nung des Holzes und das Aus­brin­gen aus dem Wald beschränken, dann könne man ver­di­enen. “Lassen Sie sich die Gele­gen­heit nicht ent­ge­hen und brin­gen Sie Ihren Schuh in die Tür”, rät er den Waldbe­sitzern. Auch in Trans­port, Lagerung und Heizungs­beschick­ung sieht er Poten­tial für die Land­wirte: “Wagt den Schritt und ver­sucht auch da tätig zu wer­den.”

Richard Eck­mann von der Buchen­bach­er Hackschnitzel GbR sichert sich zusam­men mit seinen fünf Kom­pagnons (fünf Pri­vat­waldbe­sitzer und Gemeinde) ein zusät­zlich­es Stand­bein mit ein­er 1997 erbaut­en Hackschnitze­lan­lage. Diese stellt die Wärmev­er­sorgung von 60 Häusern unter­schiedlich­er Größe sich­er. Die von König ange­sproch­ene Mit­glied­schaft der Gemeinde beze­ich­nete Eck­mann als wichti­gen Fak­tor, eine Ver­net­zung mit anderen Gemein­den als rat­sam. Als Liefer­ant und Betreiber könne man nicht nur die Kette schließen, son­dern auch Geld ver­di­enen. Bei der Logis­tik gebe es die Möglichkeit, fer­tiges Mate­r­i­al anzuliefern, das nach Kubik­me­tern abgerech­net werde. Der Liefer­ant könne aber auch sein Holz anbi­eten, das Hack­en und der Trans­port übernehme die GbR, die nach Abzug der Kosten nach Kubik­me­tern vergüte. Als dritte Vari­ante werde ein Preis nach der Mate­ri­albesich­ti­gung aus­ge­han­delt, so dass der Liefer­ant nicht in Vor­leis­tung treten müsse. Damit der Maschi­nen- und Fuhrpark wirtschaftlich arbeit­en könne (“Standzeit­en kosten Geld”), seien Min­dest­menge, Lagerung oder Zufahrtswege wichtige Kri­te­rien, eine durch­dachte Organ­i­sa­tion wichtig. Der Ein­satz eigen­er Maschi­nen sei nach allen Erfahrun­gen die beste Lösung. “Der Rohstoff liegt vor der Haustür, er muss nur ver­mark­tet wer­den”, ermunterte Eck­mann die Waldbe­sitzer zur Ini­tia­tive.

Natur­park bietet Unter­stützung an

Die regionale Wertschöp­fung und regen­er­a­tive Energie sind nach Aus­sagen von Roland Schöt­tle im Natur­park Süd­schwarzwald schon lange The­ma. Die 100-prozentige Energiev­er­sorgung aus eige­nen Ressourcen sei nicht nur möglich, son­dern werde von eini­gen Gemein­den bere­its vorgelebt. Als Beispiel nan­nte er die CO²- neu­trale Ferien­re­gion Zell im Wiesen­tal oder das Bioen­ergiedorf St. Peter. Der Natur­park bemühe sich um Rah­menbe­din­gun­gen und Förderung. Derzeit wür­den fünf Gemein­den auf dem Weg zum Bioen­ergiedorf begleit­et, 15 000 Euro wür­den für die jew­eili­gen Mach­barkeitsstu­di­en fließen. “Bioen­ergie ist auch in Titisee-Neustadt ein The­ma mit sozialem Sprengstoff”, ist sich der Geschäfts­führer des Natur­parks sich­er.

Das von König zum Schluss geforderte Faz­it der Ref­er­enten fiel unter­schiedlich aus, zielte jedoch in dieselbe Rich­tung. Mut­ter­er: “Die Zeit arbeit­et für uns.”